Verfasst von: vorkommen | Januar 9, 2011

Der Toni ist da

Es ist Winter. Die kalte Jahreszeit. Die Zeit der Besinnung. Zeit zum Kuscheln. Zeit sich in einer Höhle zu verkriechen. Sei es aus natürlichem Rückzugsbedürfnis, Angst vor Frostbeulen, einer die Innereien zerfressenden Winterdepression oder aus einer fatalen Mischung dieser Umstände. Held war das egal. Erstens hatte er ein ihn wärmendes Heldenversteck gleich neben dem lila Kristallpalast seiner Metropole und zweitens genoss er die typisch winterliche Arbeitsflaute. Ja! Auch Superschurken gaben im Winter etwas Ruhe. Wohl weil Wollkostüme nicht so gut aussehen und Filzcapes nur unter Aufgebot genialster Schurkentechnik im Wind flattern.

Superschurken hin oder her. Irgendwie kam Held doch nicht zur Ruhe. Diesen Winter vor allem weil er Toni kennengelernt hatte. Toni war ein richtig zäher Mensch. Einer von der Sorte, denen man sogar als Gewaltverweigerer am liebsten einen Tritt geben würde, bloß um herauszufinden ob das zuführen von Bewegungsenergie auch die Stimmung dieses Typen beeinflussen kann. Der Toni stand oft schon am Vormittag bei Held auf der Matte. Er schlurfte durch den Flur, um sich dann mit Haltungsschäden und hängendem Kopf durch die – absichtlich nur einen Spalt geöffnete – Tür zu zwängen. Willkommen war er nie. Auch bei Held nicht. Aber der hatte einfach nichts Besseres zu tun. Er war ja arbeitslos. Ein Gutes hatte der Toni aber. Zumindest kam er immer alleine. So kam er zu seinem Spitznamen, Mono Toni.

Auch heute hatte er sich wieder in das Versteck geschlichen. Als Held – er war eben erst aus seinem lange in den Nachmittag dauernden Schläfchen aufgewacht –ihn auf seiner Couch antraf erschrak er.“ Jetzt kommt der A…. auch schon ohne dass ich ihn hereinlasse!“ fluchte er vor sich hin. Seit Wochen verbringt Held jeden Tag Stunden damit den Mono Toni irgendwie aus seinem Leben zu vertreiben. Es war fast anstrengender als die Schurkenjagd im Sommer. Held ist erschöpft und verzieht sich frustriert in die Küche um sich ein leckeres Frühstückmittagabendessen zu machen. Eine seiner wenigen Freuden seit der Toni ständig bei ihm herumlungert.

Ohne Kraft bastelt Held an einer neuen „Schleich di Toni“ Strategie. Es fällt ihm nichts mehr ein. Er hatte ihn nett hinauskomplimentiert, ignoriert, getreten, geschrien, nettere Leute eingeladen und gestern war er sogar vor ihm aus seinem eigenen Versteck geflohen. So konnte das nicht weitergehen. Aber Held fällt immer noch nichts ein. Er gibt auf. „OK“, sagt er sich, „dann setz ich mich heut mit Toni hin und genieße den Tag mit ihm.“ Vielleicht ist der Mono Toni ja gar kein so großes A….loch wie die Leute immer sagen.

Mit frischem Wind in den Segeln lädt er Toni gleich mal zum Essen ein. Er fragt ihn aus, löchert ihn über seine gesamte Lebensgeschichte bis ihm keine Fragen mehr einfallen. Dann zeigt er ihm alle seine feinen Heldenspielzeuge und chillt sich mit Toni vor die Glotze. Der Toni ist jetzt zwar nicht so der Wahnsinn, aber für einen netten Tag ist er durchaus zu gebrauchen. Held ist überrascht wie viel er auf einmal dem Mono Toni abgewinnen kann. In seiner Freude übersieht er ganz, dass Toni immer unruhiger wird. Als Held ihm aus seinem Lieblingsbuch vorliest steht Toni plötzlich auf und geht. Er grummelt: „Was soll denn das?! dem macht das ja noch Spaß mit mir…“ und wirft die Tür hinter sich zu.

Held ist baff. So sehr hatte er sich gewünscht den Mono Toni loszuwerden. Aber jetzt wo ihm das nicht mehr so wichtig war, löst er sich quasi in Luft auf. Nicht dass Held ein Problem damit hatte. Aber normal ist das nicht. Oder etwa doch?


Antworten

  1. lieber held,
    falls der mono toni unerwünschterweise wieder mal zur tür hereinschleicht, darfst dich gerne zu mir flüchten! würd mich freuen!
    lg,
    schwesterherz


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